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Essay von Kevin Kuhn
Renate Liebels Arbeiten sind geprägt von der Gegenüberstellung künstlicher Schichten und natürlichen, ans Idyll grenzenden Umgebungen (Landschaften), deren vielfältige Überlappung und Überlagerung ein Spannungsfeld dem Betrachter vor Augen führt. Sowohl thematische Elemente wie die Erschließung einer neuen künstlichen Realitätsebene, als auch formelle Versuche der Erweiterung der Landschaftsmalerei durch collageartige Verfahren finden ihren Ausdruck.
Zu der Serie Plastikland, die die Künstlerin programmatisch über ihr Schaffen stellt, zählen Installationen alltäglicher Objekte und Materialien in der Natur, in Form von Photografien festgehalten, als auch Videoarbeiten. Die Arbeiten zeigen Naturausschnitte, beispielsweise den eines Waldes (Kunstrasenwald), wo Stämme diszipliniert in Richtung Tageslicht entwachsen; oder auch eine weite, an den Wald angrenzende Wiese (Stuhlblumen) in satten Grüntonen. Hier ist Natur, wie der Betrachter sie von jeher als Idyll kennenlernte, die treibt, die nach der Sonne wächst, Wurzeln schlägt; die aber auch über ihre Kräfte geht, abstirbt. Ein Idyll, dass ohne Menschenzutun den ihr inhärenten Gesetzen folgen würde. Dort ist aber auch knittrig gelegter Kunstrasenteppich über den Waldboden drapiert, dort fließt ein neongelbes Tuch ums Jungholz (Neonwald), verdeckt zerborstene Äste; dort stehen brav gepolsterte Designerstühle in der Landschaft, scheinbar unregelmäßig verteilt, als wären sie eben die konsequente Erweiterung des gewöhnlichen Naturschauspiels – um das Artifizielle.
Dieses Spannungsfeld erreicht Renate Liebel in einer an den Animationsfilm angelehnten Technik. Die natürliche Umgebung bildet hierbei das Fixierbild, wenn man so will den Hintergrund, auf dessen Oberfläche profane, zum Großteil dem Baumakt dekontextualisierte Gegenstände platziert werden. Einzelbildaufnahmen der Naturkulisse mit den jeweils unterschiedlich arrangierten Objekten und Materialen werden später in digitaler Montage übereinander geschichtet, sodass die Landschaft wie von Objekten bemalt erscheint. Eine jede Schicht entspricht hierbei einem konventionellen Pinselstrich. So entpuppt sich die Dokumentation dieses Vorgangs – von der Installation vor Ort bis zur Zusammensetzung der Einzelbilder im Atelier – als malerisches Unterfangen, das aber nicht durch klassische Materialien wie Farbe und Leinwand charakterisiert wird, sondern als malerische Mittel Objekte, deren spezifische materiellen Eigenschaften, als auch das Medium animierter Bilder einsetzt.
Eine neue Form der Landschaftsmalerei entsteht, die auf der eine Seite die reale Abbildung vermeidet, somit in der Überhöhung der Landschaft den Bereich des Kitschs streift, aber auf der anderen Seite, ganz im Sinne der Romantiker wie beispielsweise Caspar David Friedrich, die Kommunikation mit dem Betrachter sucht. Renate Liebels Bildsprache zielt in diesem Spannungsfeld auf die Hinterfragung des Rezipienten nach der eigenen Wirklichkeitswahrnehmung, inwieweit er nämlich selbst Attribute wie schön an die Landschaft und kitschig an die Objekte und ihre Arrangements heftet. Sprich: wie er sich in der künstlich erschaffen Wirklichkeitsebene selbst verordnet, oder noch weiter: diese wertend mit gestaltet. |
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